Der Schamane als Lehrer

Der Schamane als Lehrer und Heiler der Gesellschaft

medicinman
Medicinman

Die Schamanin Bahya traf Bernhard Kornstedt. Eine Geschichte aus dem Buch Schamanenspuren von Greta Hessel über Schamanismus und Selbstheilung.

Im Centro d’ Ompio in Italien bekam sie ihren Namen: Bahya- der See im Paradies, aus dem die Tiere trinken“  von Jabrane Sebnat, marokanischer Schamane.

Bernhard Kornstedt – Schamane am Ith, (Ith-Schamane) bei Hannover (verstorben 2015), lebte zuletzt in Mecklenburg.

Er schrieb über die Begegnung mit Bahya:

Bernhard Kornstedt
Bernhard Kornstedt
Schamane Bernhard Kornstedt:

„Sie kam zu mir an einem ruhigen Spätwintertag und redete von einem Film über Schamanen den sie drehen wollte, und redete und redete; lauter Worte die nichts mit ihr selbst zu tun hatten. Ein Film über „Schamanen“, als könne man die tiefen Geheimnisse und die Regeln des Weges in einem Wort oder einem Bildbericht einfangen. Ich dachte bei mir, du willst etwas über Schamanismus“ wissen, über die alte Lehre, na gut, das sind Dinge jenseits der Worte und der Weg fängt immer bei dir selber an, und drückte ihr die Trommel der Großen Mutter in die Hand.

Die Trommel

Bespannt mit der rauen Haut einer Wildsau, und hoffte insgeheim, dass sie sich ein wenig gruseln würde über diese rohe Heiligkeit. Ganz schüchtern schlug sie eine Zeit darauf und ahnte nicht, dass dies bereits ein Gebet, eine Bitte war. Danach fing sie an, über sich zu sprechen, sie wollte nichts dringenderes als einen Mann, einen Farbfernseher und zwei Kinder und war völlig verzweifelt und einsam. Ich begriff in welch kalter Hölle sie gezwungen war zu leben und sie fing an mir unendlich leid zutun. Völlig gefangen in einem Muster, das keinerlei wirkliche Nähe und Wärme zuließ, schien es mir ratsam der großen Erdgöttin die Heilung zu überlassen und sie direkt um Rat zu fragen. Also, hin zu dem Höhlenheiligtum.

Das Sabotageprogramm

Auf dem Weg dorthin fing Bahya sofort an, ihre Leidensstrukturen, auf mich zu projizieren, Haarmann der Massenmörder, stand in ihr auf, ein Wirbel von „Bösem Eisen“, der sich an meinen harmlosen Bildhauerwerkzeugen in ihr entzündete und den ich noch mit einigen kleinen Gruselgeschichten schürte, um die Struktur ihres Sabotageprogramms richtig hervorzuholen. Sie hat folgerichtig alle ihre Angstsymptome produziert und ist tapfer mitgelaufen. Zur Höhle ist es nur eine knappe Dreiviertelstunde zu Fuß und ich habe mich köstlich amüsiert, richtig geschwitzt hat sie.

Die Projektionen

An ihren Projektionen auf mich hat sich seitdem über ein Jahr nichts geändert, obwohl der Widersacher in ihr sich schon in der Höhle ergeben hat. Immer wieder brachte sie mir ihre Verneinung dar und erst später ging mir auf welchen Sinn dieses Verhalten für mich ergab.
Im Höhlenheiligtum hatte ich den Eindruck, dass die Höhle im Rhythmus meines tiefen Atems schwingt und Bahyas Körper ein anderes Grundmuster lernt. Ferner kamen mir klare Anweisungen über einen rituellen Weg, der ihre Entwicklung sichert.

Die Einweihung

Den haben wir dann am nächsten Tag begangen. So haben wir da einen Ort, einen Felsen, der die von Männern angerichteten Verletzungen im Geist der Frauen heilt, zu dem sollte sie. Und dort erhielt sie, zu meinem Verwundern, eine Art Dornenkrone, (die man als Erkenntniskranz der Kräfte und des Leidens deuten kann.) Ich sagte ihr noch, dass sie einen neuen Namen bekommen würde von dem Berg und, dass sie ihn selbst rausbekommen müsse. Jetzt anderthalb Jahre später, hat sie ihn sich erworben und eine neue Etappe des Lernens fängt für sie an. Damals war sie noch weit davon entfernt und ihr spirituelles Bewusstsein kaum der Rede wert. Für sie war es zunächst dringend nötig einen Gefährten zu finden, der sie wirklich wärmen und halten konnte, der sie einfach nur lieb hatte. Ich gab ihr eine Meditation mit, die dies Problem behandelte und einige Tage später traf sie Surja und ihre Liebe erfüllte sich.

Die Schattenwelt

Was sie für meinen Weg bedeutete ging mir erst einige Wochen später auf. In jener Zeit hatte ich meine Aufgabe, die Widersacherkräfte in ihren Wirkungen zu verstehen und zu transformieren noch nicht erfüllt und stieß immer wieder auf Frauen, deren Leidensprogramm mir Einblick gewährte in dem archetypischen Hintergrund des Sündenfalls, in das spirituelle Wirken der gefallenen Engel. Diesbezüglich war mir Bahyas Geist, ihr höheres Selbst, eine unendliche Hilfe, bei der Bewältigung meiner Aufgabe, weil ich durch ihr persönliches Sabotageprogramm einen zentralen Ansatzpunkt erfuhr und erlernte, ohne den ich mein Ziel nicht hätte erfüllen können.
Natürlich ahnte ihre Person, ihr alltägliches Ich anfänglich so gut wie nichts davon, und ich konnte auch nicht mit ihr darüber sprechen, weil ich meinte, die Diskussion darüber würde sie nur behindern. Als sie dann mehr über Heilkräfte und deren Leitung lernte, versuchte sie mich bewusst persönlich zu unterstützen, wofür ich dankbar bin.

Das Lernprogramm

Nun hat sie das Lernprogramm, das ihr die Fee gab, unter deren Schutz und Führung ich sie stellte, erfüllt und sich einen Namen erworben, den ihr die heimische Erde selbst gegeben hat. Damit hat sie ihren eigensten Schlüssel zu den anderen Wesen in und auf dieser Welt gefunden und ist nun Mitglied in dem Reigen des Lebens mit all seinen Wundern und Kenntnissen. Sie ist nach Hause gekommen, in die Umarmung der Erde, als ihre Tochter und wesentlich geworden für die Gottheit. Wie alle, die diesen alten Weg gehen bekam sie ihren Namen weder von mir, noch von einem anderen Menschen, auch nicht durch eine „organisierte Einweihung“ oder Kraftübertragung, sondern von der Gottheit direkt, in einem individuellen Austausch mit der großen Mutter und durch ihre persönliche Bemühung, den Impulsen der Göttin immer besser zu folgen.

Spirituelle Lehrer

Für sie war ich der stille Führer, der ihren Weg sicherte und sie geleitete, ohne viel zu sprechen und ich freue mich für sie, dass ihr Lernen nun so sicher und eigenständig ist, wie es nur sein kann. Geborgen unter Großmutters Rock kann sich ihr Leben in Freiheit und Schönheit entfalten und ich bin gespannt auf die Blumen, die in ihren Fußspuren wachsen werden.“

Radio ffn Interview mit Greta Hessel und Bernhard Kornstedt

18 Minuten nach Mitternacht, Radio ffn und Radio Hamburg mit der Schlafstörung.
„Der Schamane“ so heißt der neue Roman von Noah Gordon, der wie der „Medicus“ in die Bestellerlisten geschossen ist. Der Schamane erzählt die Geschichte eines Nachfahren des Medicus, ebenfalls ein Mediziner, diesmal spielt die Geschichte aber nicht in Europa und Persien, sondern in Amerika. Dieser Mann lernt eine Schamanin kennen und ihre Geschichte. Die Geschichte der Indianerin „Zwei Himmel“, die von „Weißer Wolke“, dem Schamanen ihres Stammes auserwählt wird.
„Weiße Wolke“ lebte in Providstouwn in seiner Hütte, wie eine Lieblingstochter. Er zeigte ihr Blätter, Wurzeln und Rinden und lehrte ihr, welche davon die Seele aus den Körper lösen und gestatteten mit den Manitoos zu reden, welche man zum Lederfärben verwendete und welche zur Kriegsbemalung tauchten, welche getrocknet und welche eingeweicht werden sollten, welche man aufkochen mußte und welche als Breiumschlag verwendet werden sollten, welche in Aufwärts und welche in Abwärtsrichtung gestrichen werden sollten, welche die Verdauung anregten, welche fiebersenkend und welche schmerzstillend, welche heilen und welche töten konnten. „Zwei Himmel“ hörte ihm aufmerksam zu.
Als der Prophet sie nach vier Jahreszeiten prüfte war er zufrieden. Er habe sie jetzt durch das erste Zelt der Weisheit geführt, sagte er. Bevor sie das zweite Zelt der Weisheit durchschritten hatte, erging es ihr zum ersten Mal nach Art der Frauen. Eine der Nichten von weiße Wolke zeigte ihr, was sie tun mußte und von da an verbrachte sie jeden Monat die Tage an denen ihre Vagina blutete, im Frauenhaus. Der Prophet erklärte ihr, daß sie keine Zeremonie durchführen, keine Kranken und keine Verletzten behandeln dürfe, bevor sie sich nicht nach ihrer Monatsblutung im Schwitzhaus gereinigt habe. In den folgenden vier Jahren lernte sie, die Manitoos mit Trommeln und Gesänge herbeizurufen, Hunde auf verschiedene zerimonielle Arten zu schlachten und sie für ein rituelles Mahl zuzubereiten, sowie mit Sängern und summenden Musikern die geheiligten Tänze einzustudieren. Sie lernte die Zukunft in den Organen eines getöteten Tieres zu lesen und sie lernte die Macht der Täuschung. Wie man die Krankheit aus den Körper heraussaugt und sie als einen kleinen Stein herausspuckt, damit das Opfer sie berühren konnte und sehen, daß sie gebannt war, sie lernte auch wie man die Seele eines Sterbenden mit Gesängen in die nächste Welt führte, wenn man die Manitoos nicht dazu bringen konnte, ihn überleben zu lassen.
Es gab sieben Zelte der Weisheit,im fünften brachte der Prophet ihr bei, ihren eigenen Körper zu beeinflußen, damit sie verstehen lernte, wie die Körper anderer zu beeinflußen waren, sie lernte den Durst zu überwinden und lange Zeit ohne Essen auszukommen. Auch ritt  „Weiße Wolke“ mit ihr eine lange Strecke und ritt dann alleine mit zwei Pferden nach Providstoun zurück, sie aber mußte zu Fuß den Weg zurücklegen. Schritt für Schritt brachte er ihr bei, wie sie den Schmerz überwinden konnte, indem sie ihr Bewußtsein an einen weit entfernten, kleinen Ort, tief in ihrem Inneren schickte, an dem der Schmerz es nicht mehr erreichen konnte.“
Ein Ausschnitt aus der „Der Schamane“ von Noah Gordon. Hier im Studio Bernhard, wie sagt man, ein Schamane und Greta, die sich mit dem Thema aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt. Greta dreht als Abschlußarbeit ihres Philosophiestudiums einen Film über Schamanen und hat auch das eine oder andere im Umgang mit Bernhard gelernt. Dieser Roman, den wir jetzt gerade gehört haben, ist das nur ein Roman, Fiction oder hat das auch etwas mit der Wirklichkeit zu tun?
Greta:
Der Weg des Schamanen ist in erster Linie einmal eine Initiation, d.h. ein Weg der Selbsterkenntnis. Der Schamanismus ist ursprünglich weiblich und im Orakel von Delphi steht geschrieben: Erkenne dich selbst, damit du Gott erkennst. Der Schamane ist in erster Linie ein Heiler der Gesellschaft. Er setzt sich für die Gesellschaft ein.
Moderatorin:
..also als Heiler wird das hier ja auch beschrieben. Diese junge Frau, die Indianerin „Zwei Himmel“ lernt ja als erstes mal mit Kräutern umzugehen, lernt Menschen zu heilen, das trifft schon mal zu, dann gibt es so eine schöne Umschreibung Bernhard, den Schmerz aus einem Körper saugen und mit einem Stein ausspucken, Bernhard kannst du da etwas mit anfangen?
Bernhard:
Ja, natürlich, es ist eine Technik, die in manchen Indianerstämmen verbreitet ist und zwar nennt man das den „Saugeheiler“. Der Heiler versetzt sich in einem Trancezustand…..
Mod:….. jetzt hast du gerade das Mikrofon in Trancezustand versetzt..
Bernhard:
……… der ihn befähigt die Krankheit in sich aufzunehmen.
Mod: Kannst du auch so etwas?
Bernh: Ich habe das noch nie probiert, das direkt mit dem Mund zu machen.
Mod: Was kannst du denn?
Bernh.: Wie meine Technik ist?
Mod: Ja, z.B. kannst du jemand heilen?
Bernh: Bei offenen Wunden und anderen Geschichten wäre ich sehr vorsichtig. Bei psychischen Störungen, Neurosen oder sonstigen Lebensblokaden bin ich sicher, daß ich das kann.
Mod: Mmh, wo hast du das denn gelernt? Wie bist du Schamane geworden? Gibt es jemand von dem du sagen könntest, er ist dein Lehrer, der dir was beigebracht hat?
Bernh: Ja, die eigentliche Berufung, d.h. der Ruf aus der sogenanten Geisterwelt, oder Anderswelt, folgte bei mir spontan und nicht über einen Menschen. Erst einige Jahre später habe ich Glück gehabt einen westafrikanischen Priester zu treffen, der mir half mit dem Phänomen, wie Hellsicht und anderen Dingen umzugehen und in einem sinnvollen Kontext zu deuten.
Mod: Also du hast Fähigkeiten, du sagtest Hellsicht, die Fähigkeiten aus dir selbst entwickelt?
Bernh: Ja, ich würde sagen, ich hatte das starke Bedürfnis mir eine Vision zu suchen, d.h. einen ganz direkten, individuellen Bezug zur spirituellen Seite der Welt. Ich hatte mal gehört, daß so etwas die Indianer machen wüeden und dann tauchte die Sehnsucht in mir auf und ich habe dann eine Art Wallfahrt unternommen, obwohl mir das mit 21 Jahren gar nicht so bewußt war, und da bin ich mit etlichen Sachen konfrontiert worden, die ganz einfach viel zu stark für mein Bewußtsein waren.
Mod: Was das genau war, darüber unterhalten wir uns in einer virtel Stunde.
Radio ffn und Radio Hamburg mit der Schlafstörung. Herausgehoben oder weggetreten, das war die ketzerische Frage. Schamanen sind unser Thema bis fünf Uhr früh. Hier im Studio Greta Hessel, sie beschäftigt sich mit Schamanismus im Rahmen ihres Studiums, aber auch aus Überzeugung und Bernhard ein Schamane. Bernhard wir haben vorhin darüber gesprochen, was dich zu einem Schamanen macht. Und dann hast du von einer Vision gesprochen, die du gesucht hast. Was ist das für eine Vision? Was hast du in dieser Vision gesehen?
Bernh: Vision ist ein Begriff aus der indianischen Welt, was eine ganz individuelle Deutung, ein individueller Zugang zu der Schöpfung bedeutet. Und für mich hat sich vor vierzehn Jahren zum ersten Mal dieser Zugang geöffnet. Und aus dieser Erfahrung heraus, die ich also in ihrer Totalität überhaupt nicht beschreiben kann, nicht mit Worten, habe ich also eine Kette von Bildern mitgekriegt und eine Lied, eins der ersten Lieder, die zu diesen Bildern gehören. Und im Laufe der weiteren Entwicklung hatte ich ähnliche Erlebnisse und Bilder.
Mod: Aber jetzt erzähl mir doch einmal, was für Bilder du gesehen hast.
Bernh: Ursprünglich, so in dieser Nacht, wo sich das Geheimnis zum ersten Mal bemerkbar gemacht hat, sah ich über mir einen Vogel, oder Adler, der gesprenkelt war, wie ein gefleckter Adler, der war so groß, wie der gesamte Himmel und ich glaube inzwischen, es war der Himmel, mit all seinen Sternen. Und ich selber war ein Lied, in meinem Herzen. Dieses Lied sah so aus, wie ein kleiner Adler, genau dadrunter und unter mir war eine weiße Taube, wie als würde ich sie schützen und um diese Taube flogen Vögel, verschiedenster Art und unter diesem Kreis von Vögel war ein Kreis von Tieren, auch verschiedenster Art und sie liefen alle rechts rum. Das waren die Bilder, die ich eigentlich aus dieser ersten Begegnung mitgebracht hatte.
Mod: Jetzt kann man ja daran gehen, wie ein Psychologe und sagen, jetzt deuten wir einmal.
Bernh: Ja, das habe ich auch getan.
Mod: Und zu welchem Ergebnis bist du gekommen? Also Taube ist ja nun wohl….
Bernh: Klar, Taube ist das Zentrum des Herzens eigentlich, das ist Liebe, die auf dieser Welt eigentlich herrschen sollte. Und dadurch, daß ich dadrüber stehe, eigentlich, die sehr agressive Kraft eines fliegenden Raub- oder Greifvogels, heißt es eigentlich, daß ich sie schütze, daß ich meine Kraft dazu verwenden sollte, diese spirituelle Essenz, die uns alle am Leben erhält, gut zu schützen und zu verteidigen.

Mod: Und kannst du erklären, warum die Tiere alle rechts herum gelaufen sind?
Bernh: Ja, weil diese Kräfte mir helfen, die Verbindung vom Himmel zu mir über die Taube zur Erde zu unterstützen. Also sie helfen dabei, die Kraft, die in dieser Vision liegt wirklich zu machen.
Mod: Und das hätte sie links herum nicht gekonnt?
Bernh: Links herum hätten sie das nicht gekonnt, weil wenn jemand links herum tanzt, zieht er eine Kraft an, und wenn er rechts herum tanzt, macht er eine Kraft wirklich.
Mod: Hast du das damals schon gewußt?
Bernh: In keiner Weise.
Mod: Also, ich habe es auch nicht direkt so gewußt, aber ja, jetzt hätte es damit ja auch gut sein können. Jetzt hättest du das ja mal so als Traum nehmen können, war nett und ziehe ich meine Schlüße draus und sehen wir mal, wie es weiter geht, aber du hast was ganz anderes gemacht. Was hast du gemacht? Ich könnte jetzt auch noch fragen,das würde ein Psychologe vielleicht auch noch fragen, wie hast du dich gefühlt in diesem Traum?
Bernh: Wissen Sie, das kann ich also nicht beschreiben. Diese Erfahrung hat mich total verändert. Die war in der Wirkung, wie, als würde ich neu geboren, als hätte ich die Welt mit neuen Augen gesehen. Ich konnte mich zuerst in diesem Zustand überhaupt nicht orientieren.
Mod: Also hat es Angst gemacht?
Bernh: Es hat keine Angst gemacht. Es war eher ein Gefühl, von Seligkeit. Und jedes mal, wenn diese Kraft wiederkommt, ist es ein Gefühl von Seligkeit. Allerdingst konnte ich das rational in keiner Weise integrieren, weder in der Jugend, noch in der Zeit.
Mod: Ja, dann verstehe ich aber nicht, warum diese Bilder so eine Bedeutung hatten.
Bernh: Für mich?
Mod: Ja.
Bernh: Ja, weil das das einzige war, woran ich mich erinnern konnte, außer diesem Zustand von einer völlig veränderten Wahrnehmung der Dinge.
Mod: Und was ist dann passiert?
Bernh: Dann habe ich ungefähr sechs bis acht Wochen gebraucht, um wieder zu meiner normalen Person zurückzufinden.
Mod: Aber es gab dann doch noch Erlebnisse in Afrika?
Bernh: Nein, das haben Sie falsch verstanden. Ich habe dann nach drei Jahren hier in Deutschland einen afrikanischen Medizinmann getroffen, dessen Ziel es war, bestimmte Leute hier zu treffen, zu unterrichten und auszubilden. Und erst nach dieser Begegnung war ich in der glücklichen Lage mit diesen Wahrnehmungen, mit diesen Bildern, mit dem was sich dann auch weiterentwickelt hat, vernünftig und sinngemaß in einer menschlichen Weise umzugehen.
Mod: Also darüber kam dann eigentlich erst die Interpretation, oder war die schon vorher da?
Bernh: Die Interpretation, die mir unsere Kultur gegeben hat, das war, na ja man hat mich als krank bezeichnet, mit verschiedenen Diagnosen. Ich war in den ersten drei Jahren in fünf verschiedenen Irrenanstalten, weil meine Umwelt überhaupt nicht mit diesem Zustand von Versenkung klar kam, oder merkten, daß ich sehr poetische Dinge von mir gab, die sie nicht verstanden und auch nicht verstehen konnten. Und der normale Ort, hier in der Zivilisation für Leute, die sich auffällig benehmen, ist halt die Irrenanstalt. Und da gab es keine gesicherten Diagnosen. Das ging von, der hat ja nur einen gesoffen, bis paranoide Schizophrenie, keines davon ist gültig. Und erst als ich einen Menschen aus eigentlich einer antiken Hochkultur kennenlernte, war es mir möglich, einen stabilen Interpretationsrahmen für diese Dinge zu entwickeln.
Mod: Und dadurch wurdest du ein Schamane.
Bernh: Nein, ein Schamane war ich schon vorher. Dadurch habe gelernt mit den Kräften besser umzugehen, und eigentlich gelernt mich zu entwickeln.
Mod: mmh, nun hatten wir ja vorhin die Geschichte von Noah Gordon, indem ja nun ein Lehrer vorkam, indem bestimmte Techniken vermittelt werden. Was kann denn nun ein Schamane, was ich nicht kann?
Bernh: Im Prinzip ist da kein Unterschied. Die Wahrnehmung von Natur und spirituellen Aspekten, von der organischen Wirklichkeit ist jedem Menschen angeboren.
Mod: Und es gibt welche, die es können, und welche, die es nicht können?
Bernh: Viele sind gezwungen darüber zu lernen, wie ich. Das ist wie ein Ruf. Diese Erlebnisse waren so schön, das hört ja nicht auf, das bleibt, bis an mein Lebensende, daß ich davon nicht ablassen will, das ist wunderschön.
Mod: Bernhard, du hast auf der Stirn drei Striche, ist das eine Tätowierung?
Bernh: Ja, das habe ich von den Afrikanern, weil sie eine andere Art und Weise haben mit der Kraft umzugehen, sie machen das über Trance-Tänze, d.h. sie haben bestimmte Tanzschritte, die man machen muß und dann nähern sie sich dieser Energie an und dann ergreift die von denen Besitz. Und bevor man überhaupt lernt solche Tänze zu machen, stellen sie eine bestimmte Asche her von verschiedenen Pflanzen, Mineralien, stampfen die ganz klein und schneiden an bestimmten Punkten des Körpers, Striche ein und beträufeln sie mit der Asche und da Afrikaner ein schwarzes Fell haben und ich ein weißes, sieht man das bei mir natürlich viel deutlicher.
Mod: Und hat das nun eine besondere Wirkung?
Bernh: Das hat die Wirking, daß außer dieser guten Kraft, die man rufen will nichts von einem Besitz ergreifen kann. Das ist ihre Sicherung gegen Obsessionen, sogenannte böse Geister, die sich einmischen wollen, die da gar nicht hingehören.
Mod: Also Kraft kann man auch mit Geist übersetzen.
Bernh: Ja.
Mod: Dann gibt es sogenannte gute und böse Geister.
Bernh: Ja.

Weitere Lehrer: 1992 traf Bahya Schamane Brant Secunda, er lehrt den heiligen Weg  der Huichol Schamanen und etwas später Schamane Medizin Man, er führte in Amerika, Schwitzhüttenseminare in den Gefängnissen durch.

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Medicine Man
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